Was man von Trump lernen kann

Hohes Einstiegsgebot; Sei Sensationell, Geizig und Widersprüchlich

Zum Entsetzen vieler Menschen wurde Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA gewählt. Vielen ist noch unklar, wie das passieren konnte. Anderen war es bereits über ein Jahr vorher klar. Was hat das mit Verhandeln zu tun? Trump hat ein vor 30 Jahren ein erfolgreiches Buch über's Verhandeln geschrieben. In seinen vielen Jahren als Immobilienmogul hat er so einige Erfahrung gesammeln. Was kann man also von ihm lernen?

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Ich will hier nicht den Inhalt seines Buches zusammenfassen. Interessanter ist doch inwiefern man diese Fertigkeiten im Wahlkampf beobachten konnte. Zu seinen Wahlkampfthemen gehörte zum Beispiel eine Neuverhandlung mit China, NAFTA und TPP. Er sieht sich zumindest selbst als großartigen Verhandlungsführer.

Hohes Einstiegsgebot

Als Präsident steht man dauern in Verhandlung mit anderen Nationen, im Parlament, zwischen den Ministerien, und so weiter. Jeder US Präsident macht Wahlversprechen, aber braucht für die Durchsetzung die Mithilfer vieler anderer Institutionen. Trump hat sehr extreme Wahlversprechen gemacht, die viele Leute jetzt verunsichern. Was ist die Folge? Statt zu versuchen ihre eigenen Ziele zu erreichen, sind viele wohl zufrieden, wenn sie Trump etwas herunterhandeln können. Er nutzt die Ankerheuristik.

Trump sagte, er hätte die Absicht eine Mauer zu bauen, damit weniger illegale Einwanderer aus Mexiko kämen. Das ist sehr teuer? Kein Problem für Trump. Er sagt Mexiko würde für die Mauer bezahlen. Außerdem will Trump alle illegalen Einwanderer wieder nach Mexiko deportieren. Die Folge? Bereits kurz nach der Wahl sind einige Mexikaner gar nicht mehr interessiert daran in die USA geschmuggelt zu werden. Vielleicht reicht schon eine Mauer im Kopf? Zu Beginn war von 11 Millionen die Rede, die deportiert werden sollen. Zur Zeit ist das schon auf 2-3 Millionen geschrumpft.

Die gesetzliche Krankenversicherung die Obama eingeführt hatte ist sehr umstritten. Trump sprang sofort drauf an (wie viele andere auch) und verlangte die Abschaffung von "ObamaCare". Als er sich nach der Wahl zum ersten Mal mit Obama getroffen hatte, war er schon sehr viel vorsichtiger und fand einige Punkte von ObamaCare gar nicht so schlecht. Die Verhandlung ist offiziell eröffnet.

Sei Sensationell

In seinem Buch sagt Trump sehr offen, dass er einen Hang zum Grandiosen und Luxuriösen hat. Er baut lieber Paläste als günstige Wohnungen wie sein Vater. Als Bauunternehmer hat man immer mit Politikern und Bauvorschriften zu kämpfen. Da ist es gut, wenn man von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, denn das ist das stärkste Druckmittel in der Politik. Die Presse berichtet gerne über grandiose realitätsferne Pläne, weil die Leser gerne träumen. Wenn man das nicht bieten kann, ist auch ein Skandal nicht schlecht.

Trump hat das gerade im Vorentscheid exzessiv betrieben. Seine Sprüche nahmen soviel Raum in den Medien ein, dass Konkurrenten wie Ted Cruz, Ben Carson oder Jeb Bush medial fast verhungert sind. Dieses skandalöse Verhalten hatte allerdings den Preis, dass Trump sich einen Ruf als Sexist, Rassist und anderes einhandelte. Als er offiziell Kandidat der Republikaner war und nur noch Hillary Clinton besiegen musste, änderte er seine Strategie. Er trat sehr viel gemäßigter und "präsidentialer" auf. Dass er Außenseiter und gegen das Establishment ist, musste er nicht mehr präsentieren.

Tweet ThisTrump ist methodisch skandalös

Diese Methode wird er allerdings sicherlich in Zukunft immer mal wieder einsetzen. Deswegen wird Trump mit Sicherheit einer der unterhaltsamsten Präsidenten werden. Vielleicht wird er jetzt fett TRUMP auf das Weiße Haus schreiben, wie er das bei vielen Gebäuden macht?

Sei Geizig

Trump hat weniger für seinen Wahlkampf ausgegeben als alle anderen. Hillary hat fast doppelt so viel Spenden eingesammelt [1]. Den Geiz hat er von seinem Vater, der mit dem Bau von günstigen Wohnungen reich geworden ist. Die Margen sind dort gering, jeder Cent zählt und man muss möglichst günstig bauen, um überhaupt Gewinn zu machen.

[1]Ist es nicht beruhigend, dass Geld keine Wahl kauft?

Im Nachhinein ist es lustig, dass die Media sich darüber aufregten, dass Trump sogar seine wenigen Wahlkampfgelder auch noch falsch verwendet habe.

Sei Widersprüchlich

Nach seinem Wahlkampfsieg gab es eine große Verwirrung. Niemand wusste so genau was jetzt passieren würde. Die meisten seiner Wahlkampfversprechen hatte Trump bereits selbst widerlegt. Der Rest ist oberflächlich.

Hier ist der Begriff Kognitive Dissonanz relevant. Das ist ein unangenehmes Gefühl, wenn eine eigene freiwillige Handlung im Widerspruch zu eigenen Überzeugungen steht. Um dieses Gefühl auszulösen, tun Menschen die verrücktesten Dinge bzw. erfinden die verrücktesten Ausreden. Vermutlich hast du Bekannte, die abnehmen und dafür Diät halten möchten. Nun beobachte, was passiert wenn diese Person klar gegen ihre Diät verstößt; beispielsweise eine Pizza oder Torte oder Pommes isst. Vermutlich kommt eine Ausrede, die für dich offensichtlich scheinheilig und daneben ist. Oft wird die Ausrede als Scherz formuliert. Die Person glaubt diese Ausrede in dem Moment aber ernsthaft, denn sonst müsste sie sich ihrer Kognitiven Dissonanz stellen.

Aktuell kann man das auch bei den Medien zum Thema Trump beobachten. Insbesondere diejenigen die Umfragen und Vorhersagen gemacht haben. CNN hat eine Liste mit 24 Begründungen warum Trump gewonnen hat veröffentlicht.

Tweet ThisWidersprüche machen manchmal überzeugend

Das lässt sich zur Methodik entwickeln. Man füttert Menschen einige "Wahrheiten", die sie gerne und einfach glauben, welche aber im Konflikt stehen. Nun bietet man eine (abstruse) Lösung für diesen Konflikt an. Man findet immer ein paar Anhänger (Beispiel Verschörungstheorien). Das kann man nun weiter treiben und darauf aufbauen. Da ein Anhänger ja freiwillig die Lösung angenommen hat, erzeugt ein Konflikt mit alternativen (realistischeren) Ansichten, wiederum kognitive Dissonanz, für die man wiederum eine abstruse Lösung anbieten kann, die dankbar angenommen wird. Auf diese Weise verstricken sich Menschen leicht in ein Gewirr an Erklärungen, die für Aussenstehende immer lächerlicher klingen. Beispiel: Klimawandel. Das ist die Methode, die hinter post-faktischem Populismus steckt. Nicht nur bei Trump, auch bei der AfD und Brexit.

Insgesamt betrachtet hat Trump einige interessante Fähigkeiten. Diese kann man von ihm lernen, da er als Präsident von der Presse jetzt gut beobachtet wird. Ob man das lernen will? Ob es ethisch ist? Ob es zu deinem Stil passt? Das musst du selbst beantworten.

von Andreas Zwinkau am

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